Nach der Zeit des Fernunterrichts war Emilia und Reetta eines klar: Das Engagement der Studierenden brauchte mehr Unterstützung. Hybride Vorlesungen und große Präsenzveranstaltungen erschwerten die Interaktion, und die Beteiligung blieb oft aus. Emilia, die innerhalb der JYU LED-Gruppe (Learning and Digital Education) arbeitet, begann, Tools zu erkunden, die aktivere, studierende-zentrierte Lernumgebungen schaffen könnten.
„Wir brauchten etwas, das in allen Lehrumgebungen funktioniert – großen Vorlesungen, kleinen Gruppen, vor Ort und online“, sagte Emilia. „Und es musste für Lehrende wirklich einfach zu benutzen sein.“
Den Fall aufbauen, Pilot für Pilot
Statt direkt zu einer Lösung zu springen, starteten Emilia und Reetta einen strukturierten Pilotversuch. Ihr Ziel: mehrere Tools testen, echtes Feedback sammeln und eine Empfehlung abgeben, die sowohl auf Pädagogik als auch auf Praxistauglichkeit basiert.
Mentimeter fiel nicht nur durch die Kombination von Interaktivität und Benutzerfreundlichkeit auf, sondern auch weil es mit JYUs übergeordneter Mission des studierendenzentrierten Lehrens übereinstimmte.
„Es gibt immer noch viel lehrerzentrierten Unterricht“, erklärte Reetta. „Auch wenn Lehrende stärker auf Studierende ausgerichtet sein wollen, ist das schwierig – besonders in hybriden oder großformatigen Settings. Wir brauchten etwas, das diese Lücke überbrückt.“
Die Pilotgruppe umfasste Lehrende aus verschiedenen Disziplinen – manche begeistert, andere skeptisch. Reetta und Emilia unterstützten sie direkt: Sie teilten Leitfäden, sammelten Erfahrungen und dokumentierten Ergebnisse. Sie verteilten nicht einfach Lizenzen; sie bauten eine Gemeinschaft im Rahmen des Pilotprojekts auf.
Wandel gemeinsam gestalten
Nach einem Jahr Pilotierung wurden klare Muster sichtbar. Nicht alle nutzten das Tool, aber diejenigen, die es taten, verzeichneten eine stärkere Beteiligung der Studierenden und reichhaltigere Interaktionen. Reetta und Emilia präsentierten der JYU Learn-Steuerungsgruppe sowohl Nutzungsdaten als auch Erfahrungen der Lehrenden.
„Es war nicht einfach“, sagte Reetta. „Wir mussten Kosten gegen Nutzen abwägen und mehrere Stakeholder einbinden.“
Durch die Kombination von Beteiligungskennzahlen mit konkreten Lehrbeispielen und enger Zusammenarbeit mit den digitalen Diensten navigierten sie durch den Entscheidungsprozess. Das Ergebnis war die Genehmigung einer campusweiten Mentimeter-Lizenz.
Einführung auf JYU-Art
Die Lizenz zu erhalten war erst der Anfang. Als nächstes kam die Herausforderung der Kommunikation: Wie erreicht man Hunderte von Lehrenden mit der Neuigkeit?
„Wir hatten keinen einzigen Ort, um alle zu erreichen“, erklärte Reetta. „Also haben wir alles versucht – Newsletter, Lehrbeauftragte, interne Webinare, sogar Mundpropaganda.“
Sie bauten auch Supportressourcen im digitalen Hilfezentrum der Universität aus und fügten Vorlagen für häufige Anwendungsfälle wie Kurseinführungen und Feedbacksitzungen hinzu. Dabei blieben sie stets darauf fokussiert, die Einführung zugänglich und befähigend zu gestalten – nicht von oben verordnet oder verpflichtend.
Mit Empathie und Strategie vorangehen
Von Anfang an wussten Reetta und Emilia: Wandel in der Hochschulbildung kommt nicht durch Verordnungen, sondern durch Vertrauen. Lehrende in Finnland haben, wie in vielen Ländern, eine hohe Autonomie. Jedes neue Tool muss eingeladen, nicht erzwungen werden.
Also statt die Nutzung zu erzwingen, weckten sie Neugier.